ORGANISCHE GEOMETRIE

SKULPTUREN
ZEICHNUNGEN

Vorwort

Ihn auf eine einzelne Disziplin festzulegen, ist schwierig. Der Künstler Klaus Noculak zeichnet und schafft Plastiken und Objekte. Der Planer Noculak betreut Bauprojekte, entwirft Farb-, Kunst- und Lichtkonzepte für Innen- und Außenräume. Der Gestalter realisiert architekturbezogene Kunst in Außenanlagen von Wohnsiedlungen, öffentlichen Gebäuden, Plätzen oder in Landschaftsparks. Als Mitglied im Deutschen und Westdeutschen Künstlerbund sowie im Deutschen Werkbund beteiligt sich Klaus Noculak seit 1968 an Ausstellungen im In- und Ausland. Und als Lehrbeauftragter der TFH Berlin machte er sich Ende der 80er-Jahre auch die Vermittlung von Theorie und Praxis zur Aufgabe. Seine Vita weist eine Unzahl von Ideen-, Kunst- und städtebaulichen Wettbewerben auf, die am ehesten mit dem umfassenden Begriff „Plastische Gestaltungen“ zu fassen sind. Klaus Noculak befasst sich seit seinem Bildhauereistudium an der Hochschule der Künste in Berlin mit der konstruktiv-konkreten Kunst. Er hat im Laufe der Jahre eine sehr eigenständige Position entwickelt, die sich vor allem durch Vielschichtigkeit und fachübergreifendes Denken auszeichnet. Insofern ist seine künstlerische Arbeit auch für das Städtische Museum Gelsenkirchen von Interesse, zu dessen Schwerpunkten ja die konstruktiv-konkrete Kunst in Sammlung und Ausstellung zählt.

Meine erste Begegnung mit Klaus Noculak geht zurück in die 90er-Jahre. Er gehörte zu den Teilnehmern des Wettbewerbs zum Kunstmeile-Projekt „Künstlerische Gestaltung der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen-Buer“ im Rahmen des IBA-Emscherparks. Gemeinsam mit dem Oberhausener Künstler Hermann EsRichter gewann er den ersten Preis, der neben der zugesicherten Ausführung eine Dokumentation und Präsentation beim Kunstverein im Städti-
schen Museum Gelsenkirchen beinhaltete. Damals lernte ich Klaus Noculak primär als Landschaftsplaner, als Gestalter im Team Noculak/EsRichter kennen und schätzen. 1997-99 wurden die beiden Teile „Schienenplateau“ und „Lichtzeichen-Landmarke“ im Rahmen des Wettbewerbsgewinns auf der Halde Rungenberg realisiert.

Die andere Seite Klaus Noculaks als freischaffender Künstler, als kreativer Kopf für Objektkunst, Bildhauerei und Zeichenkunst habe ich erst später kennen gelernt. Mit äußerster handwerklicher Präzision und hohem ästhetischen Anspruch hat er im Laufe der Jahre ein umfangreiches Werk von außerordentlicher Qualität entwickelt, das unbedingt „museumsreif“ ist. Eine weitere Seite seines künstlerischen Schaffens offenbarte sich bei einem Besuch im großzügigen Berliner Atelier Noculaks. Beim Hinausgehen erregte ein kleines, irgendwie anders geartetes Modell meine Aufmerksamkeit. Der Künstler erläuterte und präzisierte: es handle sich um ein noch in der Phase der Entwicklung befindliches Projekt für ein „Theater Konkret“. Der Gedanke von Konkreter Malerei auf der Bühne faszinierte mich sofort, vielleicht als Kulisse für modernen Tanz oder eine Ballettaufführung? Nicht nur aus Anlass der aktuellen Präsentation hat Klaus Noculak das „Theater Konkret“ als meditative Musik-Farb-Raum-Performance weiterentwickelt. Das veranschaulichte Konzept eröffnet neben der Auswahl an freikünstlerischen Zeichnungen, Papierarbeiten, Skulpturen und Objekten eine weitere Dimension im vielseitigen Schaffen des konkreten Künstlers.

Leane Schäfer
Direktion Städtisches Museum Gelsenkirchen